Massive Attack
Heligoland
2010, Virgin Records
Review
05/02/10Großbritannien Anfang der 90er: Brit-Pop-Bands füllen ganze Stadien, Hip-Hop wird von der breiten Masse wahrgenommen und auch elektronische Musik gewinnt an Popularität. Irgendwo dazwischen entwickelt sich eine ganz neue Art von Musik. In Band-Besetzung spielen junge Künstler mit elektronischen und herkömmlichen Mitteln träge und melancholisch klingende Songs, die vom Tempo und Aufbau an Hip-Hop erinnern. Passend wird das Genre Trip-Hop genannt. Pionier auf dem Gebiet ist die Bristoler Band Massive Attack, die vor allem wegen Zusammenarbeiten mit verschiedenen Gastsängern bekannt wird. 20 Jahre nach ihrer ersten Single, veröffentlichen Massive Attack nun ihr fünftes offizielles Studio-Album „Heligoland“.
Auch diesmal trumpfen die Jungs mit erstklassigen Kollaborationen auf. Im Eröffnungssong „Pray for Rain” ist beispielsweise Tunde Adebimpe des New Yorker Klang- Kollektives TV On The Radio zu hören – und dies in einem ungewohnten Kontext, singt er doch hier ganz gelassen zu einem minimalistischen Arrangement mit Percussion und Piano. Highlight des Albums ist die Zusammenarbeit mit der Dreampop-Sängerin Hope Sandoval aka Mazzy Star, die die Vocals zu „Paradise Circus“ beisteuert. Was mit einem typischen Massive Attack-Beat und Sandovals entzückender Stimme beginnt, endet in einem dramatischen Wirrwarr von Streichern. Leider enttäuscht der Damon Albarn-Track. Der Sänger von Blur, Gorillaz und The Good, The Bad And The Queen kann dem Song „Saturday Come Slow” nicht die Magie einhauchen, mit der er Tracks wie „Song 2“ oder „Feel Good Inc.“ einst verzauberte. Der Song klingt gar wie eine missglückte Annäherung an Radiohead.
Heligoland ist kein Meilenstein wie Massive Attacks Debütalbum „Blue Lines“ oder das Meisterwerk „Mezzanine”. Nichtsdestotrotz passt das Album in das Gesamtwerk der Bristoler Trip-Hop-Combo. Ungeklärt bleibt, was der LP mit der deutschen Nordsee-Insel Helgoland (englisch Heligoland) zu tun hat. Immerhin hat die Plattenfirma eine Google Maps Karte mit Gadgets wie Gerüchteküche, Videos oder Bildern kreiert. Reinschauen lohnt sich! Auf der holländischen Seite 3VOOR12 kann man sich zudem das Album im Stream anhören.









