Sade
Soldier Of Love
2010, Sony BMG
Review
03/02/10Zehn Jahre – in der Zeitspanne kann man viel machen. Oder einfach mal gar nichts. Letzteres vor allem dann, wenn man sich Sade nennt, eine umfeierte Soul-Sängerin ist und einfach mal keine Lust hatte, ein neues Album aufzunehmen. Stattdessen hatte die Millionen-Platten-Verkäuferin etwas ganz anderes zu tun, sie machte nämlich das, was für Kreativschaffende eigentlich das unvorstellbarste, wenn nicht sogar das gagaeskeste überhaupt ist: Sie zog vom kreativen, fruchtbaren, ja fast schon unvermeidlichen London irgendwohin aufs Dorf. Wo genau weiß keiner, aber sagen wir es mal so: Englische Dörfer sind entweder hübsch aber vollkommen öde (siehe Rosamunde-Pichler-Wegzapp-Filme im ZDF) oder aber abgehalfterte Mini-Ausgaben des deutschen Ruhrpotts (siehe Sauftourismus-„Reportagen“ in RTL). Anders gesagt: Sie stehen nicht auf unserer Must-Move-To-Liste. Sade jedoch, die Königin des Kaffee-Souls, hat dort also ihre Ruhe gefunden, wobei wir uns natürlich sicher sind: Die Sängerin wählte vermutlich eher die beschaulichere Rosamunde-Pilcher-Variante.
Nach einer Dekade Ruhepause erscheint nun also „Soldier of Love“. Bereits seit 25 Jahren gibt es die britische Band, die nach ihrer Frontfrau Sade (eigentlich Helen Folasade Adu) benannt ist. Dass Sade eine Pause von zehn Jahren einlegte – das wird die Zielgruppe auch nicht sonderlich zum Wackeln gebracht hat. Wer 1984 zu „Smooth Operator“-Zeiten irgendwo in den Twenty- oder sogar Thirtysomethings war, also zur Zielgruppe des Sade-Souls gehörte, überlegt sich momentan, wie er den 50. Geburtstag feiert. Da hat man ganz andere „Probleme“ als den neuesten Indie-Shit aus Großbritannien abzufeiern.
Das erstaunliche allerdings: Zwischen den zehn Jahren von „Lover’s Rock“ (2000) und „Soldier of Love“ haben sich die Bandmitglieder so gut wie nicht gesehen. 2008 gab es in Peter Gabriels „Real World Studios“ im Südwesten Englands ein erstes Treffen, wo in vierzehntägigen Sessions das neue Album entstand. Darauf sind Sounds und Beats, Jazz und Pop, wie ihn Sade samt Band auch gut und gerne schon in den 80er Jahre spielten – natürlich heute mit besserem Technik-Equipment noch glossiger aufgehübscht als früher. So klingt die Band bei einigen Songs etwa wie zu ihren Anfangszeiten, beispielsweise bei „In Another Time“, wenn Stuart Matthewman das softe Saxophon bedient. Oder aber beim hymnischen „Long Hard Road“.
Mit dem ebenso überschwänglichen wie eigenwilligen Reggae-Track „Babyfather“ und dem hochdramatischen Albumopener „The Moon And The Sky“ betreten Sade hingegen neues musikalisches Territorium. „Ich will mich nie wiederholen“, erklärt Sängerin Sade Adu, „und je länger wir zusammen arbeiten, desto interessanter wird die Herausforderung für uns“. Was wie eine Phrase aus einem GZSZ-Drehbuch klingt, ist natürlich nur Promo-Beiwerk zum eigentlich gut gelungenen Album. Die Zielgruppe braucht solche Sätze, es hinterlässt den aufregenden Beigeschmack, dass die eigentlich gleich gebliebene Musik des Lieblingskünstlers doch noch mal ganz neu und anders ist. Was im Falle von Sade übrigens alles andere als schlecht ist. Wir empfehlen durchaus, auch anderen Musikern den Dekaden-Ausflug aufs Dorf – zumindest wenn dann so etwas wie „Soldier of Love“ herauskommt.







